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Topic: Ich bin dann mal wieder da (Read 509 times) previous topic - next topic

Ich bin dann mal wieder da

Ja nu, was schreibe ich jetzt?

Das reden, schreiben, das ist im Moment ganz leicht und extrem schwer.

Ich war vor einiger Zeit schon mal hier und wurde sehr herzlich aufgenommen. In den letzten Wochen hat mich das Thema meiner Sexualität wieder voll erwischt und nachdem ich am vergangenen Freitag, also vor nicht mal einer Woche, mit einer Freundin beim Transtalk war, kocht es es noch mehr hoch.

Ich habe dort einfach mal im sehr kleinen Kreis erzählt, wie ich mich sehe. Wie ich mich fühle. Was ich bin resp. sein möchte. Ich habe es meinem Trauzeugen erzählt, der ein sehr guter Freund ist. Ich habe mit einem Psychologen darüber gesprochen, bei dem ich eigentlich wegen was anderem war.

Es tut gut, es einfach mal zu sagen: Ich bin eine Frau. War ich schon immer, das wusste ich auch schon immer.

Gehört es dabei dazu, als "männliches" Kind (männlich war ich nie, man hat mich oft für ein Mädchen gehalten und ich fand das richtig) neidisch auf Mädchen gewesen zu sein? Weil sie ganz selbstverständlich Kleider tragen konnten, mit Puppen spielen und einfach Mädchen waren? Daß sie Badeanzüge tragen konnten und tolle Haare hatten? Ist es normal, heute Frauen zu sehen und sich zu wünschen, ich wäre wie sie? Ich meine, ich will ja wie sie sein. Ich will die Frau sein, die ich bin.

Klar, das zehnjährige Mädchen, das ich damals gerne gewesen wäre, werde ich nicht mehr sein. Auch nicht die Frau Anfang 20 oder die Mittdreißigerin. Aber ich glaube, ich kann immer noch die Frau werden, die ich bin.

Mit fast 50 eine Herausforderung. Oh Göttin, ich bin so alt und fühle mich immer noch wie das zehnjährige Mädchen, das ich nicht sein konnte. Scheixxe. Aber ich glaube, ich kann jetzt ich sein. Zumindest für den Rest meines Lebens. Hoffentlich.

Ja, viel wirres Zeug, ich weiß. Sorry. Und ich bin dann wohl wieder da.


Re: Ich bin dann mal wieder da

Reply #1
neidisch auf Mädchen gewesen zu sein? Weil sie ganz selbstverständlich Kleider tragen konnten, mit Puppen spielen und einfach Mädchen waren? Daß sie Badeanzüge tragen konnten und tolle Haare hatten? Ist es normal, heute Frauen zu sehen und sich zu wünschen, ich wäre wie sie? Ich meine, ich will ja wie sie sein. Ich will die Frau sein, die ich bin.

Yep. Kenn ich. War bei mir auch so.

Mit fast 50 eine Herausforderung.

Besser spät als nie. Ich war auch schon 50 und hab es bisher nicht bereut.

Re: Ich bin dann mal wieder da

Reply #2
Willkommen zurück, Lisa Marie!

Manchmal funktioniert die Verdrängung recht lange, ich war über 40. Immerhin gibt es jetzt viel mehr Optionen einer Transition als noch vor 20 Jahren und die Gesellschaft ist offener geworden. :)

Re: Ich bin dann mal wieder da

Reply #3
Hallo Lisa Marie,

nach langer langer Zeit des Versteckens, der Angst und dem eigenen Unverständnis was mit mir los ist, habe ich selbst erst mit mitte 40 den Schritt gewagt, ich selbst zu sein. Es war wie das tiefe Luftholen, nachdem ich fast erstickt wäre. Ich hardere auch hin und wieder damit, das ich nicht schon in meiner Jugend den Mut hatte. Aber: Ich brauchte wirklich die Zeit um die "Erleuchtung" zu finden, und es bringt nichts zu bedauern. Wir leben jetzt, und jetzt, mit der Lebenserfahrung von heute, mit dem Fundament der Vergangenheit machen wir uns eine tolle Zukunft!

Liebe Grüße,
dat Kerstin ;)

Re: Ich bin dann mal wieder da

Reply #4
Vielen Dank für Eure Antworten, die mir Mut machen. Ich habe schon wieder Tränen in den Augen, wie die letzten Tage so oft. Weil es sich richtig anfühlt, weil ich panische Angst habe …

Re: Ich bin dann mal wieder da

Reply #5
... weil ich panische Angst habe …
Das kann ich gut verstehen, ging mir genauso. Ein Wechsel birgt soziale Risiken, da braucht man sich nichts vormachen. Vielleicht ist es ein guter Weg, in kleinen Schritten voran zu gehen und immer wieder auf dich selbst zu hören, wirklich in dein Innerstes hinein horchen. Ist das jetzt gut? Schreie ich nach einem weiteren Schritt? Bin ich dafür bereit und habe ich meine sozialen Kontakte bisher mitgenommen? Ein wenig Schwund ist immer, manche (glücklicherweise wenige) können den Weg nicht mitgehen, und am Ende soll es ja besser werden als vorher.  :D

Re: Ich bin dann mal wieder da

Reply #6
 und vor allem: wenn das "ist das jetzt gut"  mit einem ja beantwortet wird, erstmal das Leben genießen. Wenn es nicht (mehr) reicht und der nächste Schritt ansteht, merkt man das schon früh genug.

Re: Ich bin dann mal wieder da

Reply #7
Lisa Marie, ich bin zwar nicht eigentlich Trans, denn ich habe eine Variante der Geschlechtsentwicklung, und habe nun weiblich in der Geburtsurkunde sehen, aber ich habe auch viele Jahre als Mann gelebt.
Wenn ich so zurück denke, hätte ich eigentlich als Mädchen und junge Frau aufwachsen sollen, wenn nicht so ein Ar*** Arzt gedacht hätte, nach ein paar schnellen Schnitten, usw., würde ich ein netter Mann werden.  Daher wurde ich ein  Mann!  Wäre ich nicht ein Mann gewesen, hätte ich meine Frau nie kennengelernt und geheiratet, und hätte die besten 36 Jahre meinen Lebens verpasst.  Ich glaube auch nicht, dass ich als Frau die beruflichen Chancen bekommen hätte, die ich als Mann hatte.
Ich lebe nun schon recht lange als Frau, und finde dass das ein schönes Leben ist, aber das kann ich erst richtig beurteilen, nachdem ich auch als Mann gelebt habe.
Also lebe von nun an dein Leben als glückliche Frau!


Linde

Re: Ich bin dann mal wieder da

Reply #8
Ich habe es in letzter Zeit ein paar mehr Freunden erzählt, von denen ich mir sicher war, daß sie es verstehen oder es ihnen zumindest egal ist. Das ging bisher gut. Nur mit meiner Frau und meiner Familie konnte ich noch nicht reden.

Das schaffe ich einfach noch nicht. Ich war schon ein paar mal kurz davor, aber ich habe dann doch nur tief durchgeatmet und nichts gesagt.

Re: Ich bin dann mal wieder da

Reply #9
kannst Du dir dafür Hilfe holen??? jemand der vielleicht dabei ist, oder diese Gespräche mit dir vorbereitet??

 

Re: Ich bin dann mal wieder da

Reply #10
Ich denke, ja. Ich bin aus anderen Gründen im Moment bei einem Psychologen/Psychotherapeuten und habe ihm beim letzten Termin einfach mal mein Herz ausgeschüttet. Aber da die Praxis so ausgebucht ist, bekomme ich halt frühestens alle vier Wochen, eher fünf bis sechs, einen neuen Termin.

Es gibt auch "in der Nähe", sprich eine halbe Stunde Zugfahrt entfernt, eine Selbsthilfegruppe, die einmal im Monat ein Treffen veranstaltet. Da war ich auch schon mit einer Freundin. Das erste mal als Begleitung, weil sie aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht alleine da hin kommt, beim letzten Mal habe ich angefangen, über mich zu reden. Das war die Initialzündung …
Aber das ist halt auch nur einmal im Monat. Und wenn Corona wieder zuschlägt, und das wird es beim derzeitigen Kurs, dann ist da auch wieder nix mehr.