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Topic: Mama, Papa, Mapa, Pama: was denn nun????? (Read 6102 times) previous topic - next topic

Mama, Papa, Mapa, Pama: was denn nun?????

Moin,
Ich hab die frage im TT schon gestellt, aber da war die Resonanz nicht so groß.....
Ich bin ja nicht die einzige hier mit Kindern und ich vermute mal, auch nicht die einzige, die sich mit dem Thema 'wie denn nun? Mama, Papa....' herumträgt.
Meine beiden Jungs sind vier und sechs Jahre alt und ich habe sie ca. alle zwei Wochen übers Wochenende bei mir. Der Große fing mit ca. 3 Jahren an, mich mit meinem Vornamen anzusprechen und nicht mehr mit Papa und das macht er bis heute, nur daß er inzwischen Sarah sagt und nicht mehr $AlterName. Der Kleine macht es seinem großen Bruder nach und spricht mich direkt auch immer mehr mit Sarah an. Das finde ich auch alles gut so und das passt.
Lustig wird es, wenn wir zu dritt unterwegs sind und die beiden über mich als Papa reden. Nur sehe ich nun wirklich nicht mehr nach Papa aus....
Die Bezeichnung 'Mama' ist ja schon belegt, zumindest die französische Variante 'Maman' und ich will die beiden auch nicht zu sehr verbiegen oder die Sache zu sehr verkrampfen.
Wie sind da eure Erfahrungen, wie läuft es bei euch? Gibt es da überhaupt eine Lösung?
Die andere Sache an die ich denke ist, wenn in der Schule über die Eltern gesprochen wird, wie könnten sie es dort handhaben? Ich hab vor, mal mit den deutschen Lehrern (Frankreich, zweisprachige Schule) darüber zu sprechen, daß sie sich nicht wundern oder sich bei Inkonsistenzen (wie, dein Papa heißt Sarah?) blöd verhalten.

Gebt mir mal Tips.

:-) Sarah

Re: Mama, Papa, Mapa, Pama: was denn nun?????

Reply #1
Schwierig.
Ich habe die gleiche Situation, eine Tochter 11 Jahre.
Intern eigentlich kein Problem.
Da nennt sie mich Map. etwas verkürztes MaPa.
Weil, Mama ist vergeben und wird auch massiv geblockt.

Blöd wird es eigentlich, wie du schon sagtest, erst im Umgang mit Dritten.
Weil, ich habe keine Lust gegenüber jedem Beliebigen einen Seelenstrip hinzulegen.
Hier wirft das Map mehr Fragen auf als es Unklarheiten beseitigt.
Da wäre ein Mama sicherlich die einfachere Lösung.
Haben mir auch Freunde so bestätigt.
Zumal ein Kind mit zwei Müttern heuigen Tags auch nicht mehr sooo selten ist.
Und, wie ich feststellte, meine Tochter auch nicht widerspricht wenn ich als Mama bezeichnet werde.
Egal ob ich dabei bin oder nicht.
Weil auch sie keine Lust hat das jedesmal zu thematisieren.

Den meisten ist es im Umgang wichtig einschätzen zu können in welcher Beziehung man zu dem Kind steht.
In den seltensten Fällen wird das unterhalb der Ebene weiter aufgedröselt.
Da ist Mama/Papa einfach einer der Elternteile.
Egal was da zwischen den Beinen ist/war.

Letztendlich haben wir es gegenüber den Lehrern dann so gemacht das sich die Mutter als solche vorgestellt hat und ich war dann schlicht der andere Elternteil.


ot
Am Anfang hatte ich mit Papa ziemliche Probleme.
Weil ich so sozialisiert bin das Papa halt männlich ist.
Schon ziemlich blöd.
Dann kam Mapa, Map.
Besser.

Nur stellte ich fest, dass das auch nicht so das Gelbe vom Ei ist.
Weil der Bezeichnung die emotionale Bindung fehlt.
Erst als ich soweit war und nach einem intensiveren Gespräch mit meiner Tochter das Papa wieder zugelassen habe (was sie dann selber ganz schnell wieder gelassen hat) hat sie eine Teil des Gefühls des Verlustes überwunden.

Re: Mama, Papa, Mapa, Pama: was denn nun?????

Reply #2
Bei mir hat sich das Problem nie ergeben. Meine Ex war, wie ich, bei den Mormonen. Als ich wegen TS exkommuniziert wurde, verbot sie mir, die Kinder zu sehen. Auch das Gericht verbot es mir. Als meine Tochter volljährig war, habe ich sie bei ihrem Großvater angerufen, wo sie lebte (die leibliche Mutter war geistig behindert, und nicht in der Lage, angemessen für die Kinder zu sorgen, aber sie war die Mutter. Schöne Gerechtigkeit, wo das Kindeswohl an letzter Stelle steht!), und sie weigerte sich, mit mir zu reden. Im Gegenteil, sie beschuldigte mich, die Familie zerstört zu haben. Dabei war sie schon lange zerstört, denn vor meinem CO sagte meine Ex mir, dass sie mich schon lange nicht mehr lieben würde, und nur wegen Kinder und Kirche mit mir zusammen wäre.
Sei also froh, wenn du Kontakt zu deinen Kindern haben darfst!

Re: Mama, Papa, Mapa, Pama: was denn nun?????

Reply #3
Da ich biologisch weder Mama noch Papa bin, bin ich einfach Andrea. Manchmal aus Spaß "Mutti" und wenn über mich geredet wird wahrscheinlich "Mamas Freundin". Genau weiß ich das aber nicht, weil die Kinder bisher nicht gesagt haben wie sie mich nennen, wenn sie mit den Freunden reden die mich noch nicht kennen.

Insgesamt ist mir aber das Konstrukt mit meinem Vornamen ganz lieb. So bin ich abgegrenzt von "Mama", die ja nun einmal meine Freundin ist. Dass sie mich trotzdem wie ein Elternteil sehen, merke ich an ihrem Verhalten und allgemein ihrer Art, mit mir umzugehen.

Re: Mama, Papa, Mapa, Pama: was denn nun?????

Reply #4

Sei also froh, wenn du Kontakt zu deinen Kindern haben darfst!

Das Sorgerecht ist geteilt, vive la france.....

Gestern war ich bei meinen Kids weil Kids krank und die Mutter einen wichtigen Termin hatte....
Da war wieder das Thema 'Papa wird immer dein Papa sein'. Zum einen ja, weil biologisch so, aber ich fühle mich nur noch zu einem ganz kleinen Teil als 'Vater'...... Ich will schon versuchen das Vater-Sohn Wissen weiterzugeben, aber es passt nicht mehr. Meine Ex schafft es auch nicht, mich mit meinem korrekten Vornamen anzusprechen geschweige denn zu akzeptieren, daß ich eben nicht mehr 'Papa' bin..... Der Kleine fragte dann auch gestern, warum Papa sich denn Brüste wachsen lässt....... Da muss ich noch so einige Gespräche mit ihr führen. Wird ein harter Ritt.
:-) Sarah

Re: Mama, Papa, Mapa, Pama: was denn nun?????

Reply #5

Gibt es da überhaupt eine Lösung?


Nein, oder Ja, wenn das folgende eine Lösung ist:

Originalton meiner Kinder "Mit Vornamen sprech ich Dich nicht an" Also, bin ich da Papa.
Kommunikation nach außen: "Ich leb jetzt mit zwei Frauen." "Bist Du ausgezogen?" "Nein, mein Papa ist jetzt eine Frau".

Meine Frau spricht von ihrem Mann. Und wenn sie mich beim Namen nennt, dann halt als Michi. Wenn Sie meinen Namen ausschreibt, dann Michaela, und Frau bei der Anrede. Klingt zwar blöd, "Mein Mann ist Frau Michaela X." ist aber so. Wenn sie damit besser zurecht kommt, als zu sagen, dass sie mit einer Frau zusammen ist, soll es mir recht sein.
Da ich die Familie nicht wechseln werde, ist mir das damit verbundene Zwangsouting egal.

Das "Männliche" weitergeben, die Männerrolle vorleben, ist schwierig, weil Du ja kein Mann bist.  Ich glaub auch nicht dass die Söhne das annehmen würden. Aber ich denke, Du kannst das so handhaben, dass Du den Kindern die Sachen, die Du gut kannst, genauso zeigen kannst, wie ein männlicher Vater. Ich kenne mehrere alleinerziehende Mütter, ganz ohne Wochenendpapa, die kriegen das auch hin.

Ganz egal, was die Menschen denken, ich hab keine negativen Erfahrungen gemacht. Ob mich die als Frau, als Frau mit Trans-Vergangenheit, oder als Mann in Frauenkleidern sehen, kommunizieren sie nicht. Und wenn jemand das Thema anspricht, dann entweder mit Respekt vor dem Mut, oder Respekt davor, dass ich mein Ding durchziehe. Alle anderen benehmen sich so professionell wie ich ihnen gegenüber auftrete.

Daher würde ich sagen, dass Lehrer, die ja aus beruflichen Gründen mit einem Trans-Elter zu tun haben, das genauso professionell handhaben werden wie den Kontakt mit Eltern, die anderweitig auffallen. Aus meiner Erfahrung mit Lehrern weiß ich, dass es auf allen Schultypen ratsam ist, beim Kontakt mit Lehrern besser angezogen zu sein als die, freundlich zu sein, und die schulischen Themen zu gemeinsamen Themen zu machen. Also ganz egal was Du vom Lehrer oder Problem hältst, es zur Aufgabe für beide Seiten zu kommunizieren. Das ist einfach grundlegende Konfliktbewältigung.

Ich glaube, wenn Du den Kindern sagst, dass Außenstehende ja nicht Bescheid wissen können, und sie deshalb ruhig sagen können "Mein Papa heißt jetzt Sarah", oder "meine Eltern sind getrennt" oder "Mein Papa ist jetzt eine Frau", wäre das eine gute Lösung. Dass die Leute unsicher sind, weil sie das nicht kennen, und deshalb vielleicht komisch reagieren. Und natürlich dass sie Spott oder Häme nicht akzeptieren müssen.

Re: Mama, Papa, Mapa, Pama: was denn nun?????

Reply #6
Da ich meine Kinder gezeugt und nicht empfangen habe, da ich bei der Geburt zwar aktiv dabei war, sie aber nicht selber geboren habe, bin ich weder Mutter noch Mama, das ist eine andere und definitiv nicht ich. Es macht keinen Sinn für mich, da mit ihr in Konkurrenz zu treten, denn das würde vor allem für die Kinder sehr schwierig, vor allem, da wir alle noch zusammen leben.
Ich glaube, wenn ich weiterhin für meine Kinder da sein will und wenn ich die vertrauensvolle Beziehung zu meinen Kindern nicht riskieren will, dann muss ich bereit sein immer zumindest ein Stück weit ihr Vater oder Papa zu bleiben. Ich für meinen Teil freue mich einfach darüber, dass meine Kinder schon immer stolz darauf sind, dass ihr Papa anders ist als andere Männer - auch wenn sie Nicola erst seit ein paar Jahren kennen.

Pama oder Mapa sind nach meinem Gefühl Kunstworte, denen die Emotionalität von Mama und Papa fehlt.
Zum Beispiel in der Öffentlichkeit oder auch mit der zunehmenden Selbstständigkeit der Kinder kann aber der Vorname dann in vielen Sitationen hilfreich, entspannend und ehrlich sein.
Und so finde ich die vielen von queer-fifty eben genannten Kombinationen auch für mich als sehr stimmig und ehrlich. Ich kann mir kaum etwas schöneres vorstellen, als das meine Kinder z.B. sagen: " .. die Frau da drüben, Nicola, die ist mein Papa..."

Re: Mama, Papa, Mapa, Pama: was denn nun?????

Reply #7

...

Ich glaube, wenn Du den Kindern sagst, dass Außenstehende ja nicht Bescheid wissen können, und sie deshalb ruhig sagen können "Mein Papa heißt jetzt Sarah", oder "meine Eltern sind getrennt" oder "Mein Papa ist jetzt eine Frau", wäre das eine gute Lösung. Dass die Leute unsicher sind, weil sie das nicht kennen, und deshalb vielleicht komisch reagieren. Und natürlich dass sie Spott oder Häme nicht akzeptieren müssen.


Und wie leicht geht dir "Ich bin der Papa von ..." von den Lippen?
Ich frage einfach deshalb, weil es mir nicht/nicht immer leichtfällt, ich mich mit Alternativen aber auch schwer tue, weil diesen "Kunstbezeichnungen" einfach die Natürlichkeit von Mama/Papa fehlt.

Re: Mama, Papa, Mapa, Pama: was denn nun?????

Reply #8

Und wie leicht geht dir "Ich bin der Papa von ..." von den Lippen?

Irks, eig schwer, weil es für mich emotional nicht mehr stimmt. Aber ich bin auch ganz klar nicht die Mutter, obwohl wir drei ein gutes Verhältnis zueinander haben.
Mapa, Pama finde ich für mich und mein Empfinden nicht passend. Am ehesten tatsächlich 'Mama', weil die leibliche Mutter eben 'Maman' ist. Aber ob die Kids sich den Schuh anziehen werden ist dann noch eine ganz andere Frage. Und dann ist da noch die Haltung der leiblichen Mutter, ob sie weiter auf Papa rumreitet oder was anderes akzeptieren wird. Alles schön kompliziert.
Prinzipiell geht es mir ja am allerwertesten vorbei, wenn mich die Kids in der Öffentlichkeit Papa nennen, aber in der Realität geht es mir dann doch nicht am Poppes vorbei. Und ich denke da an die Schul- und 'andere Kinder' Situation wo es um die Mama/Papa fragen geht.
:-) Sarah

Re: Mama, Papa, Mapa, Pama: was denn nun?????

Reply #9


Und wie leicht geht dir "Ich bin der Papa von ..." von den Lippen?


Ich streite mich notfalls mit allen über die gender-korrekte Anrede. Aber nicht mit meinen Kindern.

Ich denk da muss man die Last teilen. Da es meinen Kindern auch nicht leicht fällt, einen weiblichen Vater zu haben, ist es nur gerecht, wenn ich wegen meiner Kinder zu der männlichen Vergangenheit stehe. Ich sag "ich bin der Papa von..." weil ich meine Kinder mag, weil ich es toll finde sie zu haben. Ob es mir schwer fällt, darüber denk ich nicht nach.

Ich wünsch mir nicht mal, immer als Frau gelebt zu haben. Denn dann hätte ich ja diese Kinder nicht.


Re: Mama, Papa, Mapa, Pama: was denn nun?????

Reply #11

Und wie leicht geht dir "Ich bin der Papa von ..." von den Lippen?
Ich frage einfach deshalb, weil es mir nicht/nicht immer leichtfällt, ich mich mit Alternativen aber auch schwer tue, weil diesen "Kunstbezeichnungen" einfach die Natürlichkeit von Mama/Papa fehlt.


Meine erste Idee (als nicht betroffene) war der Wechsel zur Formulierung "Der/die xxxx ist mein Sohn/meine Tochter"  ;)

Re: Mama, Papa, Mapa, Pama: was denn nun?????

Reply #12
Ich hab heute mal nachgefragt. Wenn sie mit Kindern die mich nicht kennen über mich sprechen, sagen sie oft schlicht "Andrea". Wird dann gefragt wer "Andrea" ist, sagen sie: "Die Freundin meiner Mama". Und gut ist. :)

Re: Mama, Papa, Mapa, Pama: was denn nun?????

Reply #13
Das erinnert mich an eine Freundin, die ein anderes mit mir befreundetes Pärchen mal gefragt hatte (alles ganz ohne T*-Bezug):
"Habt ihr Kinder?"
Antwort: "Ja, 7 - er 2 und ich 5."
Rückfrage: "Oh ... wie geht das denn?"
;D

Zu dem Thema kann ich als ebenfalls "Außenstehende" nur sagen, daß ich die bisher gebrachten Vorschläge und Gedanken allesamt für recht brauchbar halte. Das kommt ja immer auf den jeweiligen Fall an, wie es am Besten funktioniert. Gibt da sicher noch einige andere Wege. Ein gültiges "Rezept" für alle gleich wird es da nicht geben können.

Innerhalb der Familie scheint mir am Besten zu sein, wenn sich alle Beteiligten gut damit fühlen können, wenn zur Anrede oder bei Reden über die Trans-Mama oder den Trans-Papa der Vorname genommen wird. Da kommen auch nach außen hin wohl die wenigsten Fragen auf. Flickenteppich-Familien und in Ansätzen selbst gleichgeschlechtliche Paarbeziehungen und Ehen sind heute ja schon allgemein so verbreitet, daß sie nicht mehr so viel Aufsehen erregen. Nachfragen kommen da wohl eher nur, wenn die (außenstehenden) Fragesteller schon ein "intimeres" Interesse an der Familie haben - sei dieses nun im Einzelfall angemessen oder nicht.


liebe grüße
triona

Re: Mama, Papa, Mapa, Pama: was denn nun?????

Reply #14
Wenn Ihre Kinder aufwachsen, wird Ihr Problem automatisch gelöst werden.