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Topic: Cilii: en femme nach Paris (Read 16755 times) previous topic - next topic

Cilii: en femme nach Paris

Mal eine kleine Leseempfehlung von mir:

Ciliis Reisetagebuch "Paris" auf ihrer TG.AT Seite...

Lesenswert... Ciliis Paris Reise en Femme

Reply #1
Das kann ich nur unterstreichen. Eine wirklich schöne Lektüre zur Paris Reise en femme. Irgendwann werde ich auch mal einen Urlaub enfemme machen.

NEOMI? Bist dabei?

Quote
Mit weiteren Kundinnen kommen wir auch schnell ins Gespräch, unser Geschmack (und unsere schonungslose Ehrlichkeit) werden wohl geschätzt. Es gehört wohl Mut dazu einer Dame zu sagen dass ihr 3000 Euro Blazer nicht zu ihrem Teint passt, umso erstaunter gibt sie uns Recht und freut sich.


Das stimmt, funktioniert aber auch bei Korsetts von knapp 300 € wie neulich in der Boutique Bizarr. Chrissi, Neomi und ich haben dort einer Dame erzählt, das sei nicht das wahre :-) und zusammen eine bessere Lösung gefunden. Hat dann zwar noch einmal 150 € mehr gekostet, aber die Dame war trotzdem glücklich :-))

en femme nach Paris

Reply #2
aufgrund der positiven Anregung poste ich hier mal das tagebuch der Paris-Reise, die ich mit meiner besten freundin Ulli gemacht habe.

Der Text sollte eigentlich woanders veröffentlicht werden, aber die Person dort hat dies nie getan, daher nun hier.

keine fiktion, alles 100% for real. Kommentare und Fragen gerne willkommen.

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Zwei Ladies in Paris

Ein kurzes Tagebuch von Ulli und Christina auf ihrer Reise nach Paris

Vorwort:

„Souhaitez-vous être parfumée?“

Wünschen Sie parfümiert zu werden? Diese Frage hallt gerade durch meinen Kopf als ich einen kurzen Tagtraum habe. Ich finde meine Sinne wieder und lächle den jungen Herrn an der vor mir steht und mir gerade angeboten hat die neueste Création des Hauses zu testen.

Irgendwie ist das alles ein wenig surreal. Ich stehe in ein Kostüm gekleidet, mit Pumps und Handtasche inmitten eines Pariser Kaufhauses, am Stand von meiner Lieblingsmarke Chanel. Träume ich? Muss mich jemand zwicken und ich wache in meinem Bett auf oder passiert das hier alles wirklich?

Ich verzichte mal aufs Aufwachen und träume lieber weiter. Anbei die Geschichte wie es zu diesem Traum kam:


Einleitung:

Alles begann mit 2 bis 3 ungezwungenen Emails. Ulli und ich haben uns von Anfang an gleich gut verstanden weil wir ähnliche Vorstellungen von Weiblichkeit haben. Aus einem intensiven Email- und Telefonaustausch wurde erst ein Treffen, dann weitere bis eines Tages Ulli die Idee hatte zu etwas Großem, etwas was weder wir noch irgendjemand den wir kennen je gewagt hatte.

Ich bin beruflich öfters in Paris, also meinte Ulli, warum fahren wir da mal nicht als Ladies hin? Und als wäre das nicht genug, entschieden wir zu fliegen. Und da uns auch das nicht reicht, legten wir fest, das diese komplette Reise von Anfang bis Ende en femme stattfinden sollte und wir von Zürich starten sollen, was für mich am nächsten liegt. Inkl. sämtlicher Zollkontrollen bei Verlassen der EU, Sicherheitschecks und vielem mehr



Tag 0   Donnerstag 18. Mai

Für Ulli begann das Abenteuer Paris einen Tag früher. Sie lies sich in Frankfurt ein Reisestyling verpassen und fuhr dann en femme zu mir in mein beschauliches Schwarzwaldnest

Ich musste an diesem Donnerstag noch arbeiten, und trotz gewissem Neid das Ulli schont gestylt war packte ich fröhlich meine Koffer und mein Beautycase. 2 große Koffer reichen bei einer Dame gerade so für 4 Tage Paris (7 Paar Schuhe waren das Minimum!)

Morgen ist es soweit, wir haben beide nicht viel geschlafen diese Nacht


Tag 1   Freitag 19. Mai

An diesem sonnigen Morgen konnte auch ich mich endlich stylen, dazu habe ich Ullis makeup noch ein wenig erneuert. Unsere Reiseoutfits lagen schon lange fest und waren Gegenstand unendlicher Emaildiskussionen. Als perfekte Businessladies ging es aus dem Haus, die Koffer in Ullis Auto und los in Richtung Schweiz bzw. Flughafen Zürich Kloten. Wir fühlten uns wie 2 Kinder am Abend vor Weihnachten.

Am Zoll in Waldshut wurden wir wortlos durchgewunken. Für mich ist dieser Übergang mittlerweile Routine, Ulli war jedoch noch ein wenig nervös.

Das sollte aber auch die einzige Kontrolle der Reise sein wo ich Routine beweisen konnte, die großen Aufregungen standen uns noch bevor.
Nachdem das Parkhaus am Flughafen angesteuert war begeben wir uns mitsamt all unserer Koffer in die Check-in Halle. Hier die erste Überraschung. Es wimmelt von Menschen wie ich es als Zürich-Vielflieger noch nie gesehen habe. Dazu funktioniert der elektronische quick-check-in Schalter nicht wie gewünscht und wir sind gezwungen uns in die normale Schlange zu stellen. Ulli scheint das weniger auszumachen als mir.

Nachdem wir endlich und was mich betrifft mit 200 Puls an einen Schalter kommen die nächste Überraschung: Wir wollten eigentlich in einer der hinteren Reihen Platz nehmen, aber die einzigen Sitze die noch frei sind haben Nummer 3B und 9B, mittendrin in einem ausgebuchten Flieger! 250 Puls

Nun gut, Gepäck aufgeben, bewaffnet nur mit Beautycase und Handtasche begeben wir uns zur nächsten „Prüfung“: der Flughafen-Zollkontrolle. Was ging mir nicht alles durch den Kopf! Separate Personenkontrolle in der Kabine, Abnahme der Perücke und und und. Als potenzielle Terroristin fühlend lege ich dem Schweizer Herrn von der Kantonalpolizei meinen Pass vor und (300 Puls)... er winkt mich durch. Ich bin so überrascht über die Banalität des Ganzen dass ich fast schon beleidigt schaue. Ulli nach mir ebenso, wir schauen uns grinsend an. Das war alles? Hahahaha dafür alle die Angst? Ich hatte der Zollbehörde sogar einen Brief geschrieben um zu erfahren wie das abläuft wenn man als Frau mit männlichen Papieren da durch will.

Nun es ist noch nicht ganz vollbracht. Nächster Halt: die Sicherheitsschleuse. Erneuter Schock, riesige Menschmassen stauen sich davor und wir sind sowieso schon etwas knapp dran. Selbstverständlich lege ich Tasche, Schuhe und Blazer brav aufs Band, zeige mein Ticket, laufe durch den Detektor und nichts passiert. Ich nehme meine Sachen zusammen, Ulli schlüpft gerade auch problemlos durch und wir beide sind erleichtert. Jetzt haben wir den ersten großen teil geschafft, wir müssen nur noch in den Flieger.

Nach erfolgtem Aufruf beginnt das Boarding, nicht ein krummer Blick, dafür einige Blicke auf die Beine ;-) ein Schelm wer Böses dabei denkt!

Boarding per Bus auf dem Rollfeld, also rein in den Bus, dicht gedrängt unter Reisenden und Geschäftsleuten, es ist windig ich stöckel die Treppe in die Avro A100 hoch…

Wir sitzen beide 6 reihen auseinander in einem proppenvollen Flieger, auf beiden Seiten Männer. Und? Nix war, meine beiden Herren haben mir die Schokolade geschenkt. Ullis Nachbar musste nach 5 Minuten Flug aufs Klo und Ulli stand mitten auf dem Präsentierteller im Flieger.

Während des Fluges habe ich mich mit einem guten Krimi beruhigt …

Dann die Landung Paris, raus aus dem Flieger und zack! stehen wir in der Schlange vor dem Zoll. Ich komme zuerst dran. Der Zollbeamte schaut ohne Übertreibung 10mal in mein Gesicht und in meinen Pass. Ich grinse und bin durch, gleiches Spiel bei Ulli.

Dann 30 Minuten Warterei aufs Gepäck. Unser Held des Wochenendes, mein Stammtaxifahrer Farouk läuft schon nervös auf und ab aber erkennt mich nicht. (zu ihm später mehr!)

Nachdem die Koffer endlich aufgeladen sind, laufen wir zu Farouk, und ich sage nur „Hallo Farouk“, er verliert eine Tausendstelsekunde die Fassung und ist dann sofort wieder ganz Profi: „Auf geht’s!“

Der Mann wird noch ganz andere Qualitäten an diesen 4 Tagen unter Beweis stellen! Niemand ist so cool und so professionell wie Farouk. Auf der Fahrt zum Hotel macht er auch unmissverständlich klar dass es für ihn, der mich ja sonst als Mann durch Paris fährt absolut kein Problem ist mich als Frau als Passagier zu haben. Im Gegenteil er freut sich sehr darüber mich privat auch mal kennen zu lernen. Seine Diskretion ist mir sicher.

Er fährt uns zum Hotel, dem Hotel Residence Lord Byron in der Rue Chateaubriand im 1. Arrondissement, 200 Meter bis zu den Champs Elysées, 500 Meter bis zum Triumphbogen, mitten in Paris, genau für uns geschaffen.

Wir checken ein, der Empfangschef wird von Ulli und mir einstimmig als mindestens schwul, maximal nebenberuflich Drag Queen kategorisiert. Umso herzlicher ist der Empfang, es ist einfach wunderbar sich am Hotel zu melden mit: „Mademoiselle Christina d´Yvon, es müsste ein Doppelzimmer für mich reserviert worden sein. Yes!“

Das Zimmer ist eine kleine Suite mit allen Extras, schönen Möbeln, gemütliche Couch, vielen Spiegeln und großem Bett mit viel Platz für uns und unsere Sachen, wir packen auch gleich aus und decken das Bad mit unseren Beautycases zu

Nach einem kurzen Nachstyling bestellen wir uns ein Taxi und los geht’s ins Treiben von Paris!

Erster Stop: die berühmten Galeries Lafayette, weithin als das schönste Kaufhaus der Welt betrachtet, ein Tempel der Feminität und des Luxus!

Wir flanieren durch die Reihen, Dior, YSL, Chanel, Lancôme, etc etc eine Marke folgt der anderen und wir saugen alles in uns auf, wie in Trance. Das ist das wahre Leben! Hier fühlen wir uns wohl die Minuten werden zu Stunden während wir durch die Etagen ziehen wie Kinder an Weihnachten ehrfurchtsvoll mit leuchtenden Augen. Ich plaudere mit den Verkäuferinnen, lasse mich beraten, probiere alles aus, Düfte hier, Makeup da...

Der Nachmittag wird zum Abend, wir treten die Rückfahrt Richtung Hotel an, wechseln zu einem Abendstyling und gehen in einer schönen traditionelle Crêperie in der Rue Washington essen. Neben uns eine amerikanische Familie, die kleine Tochter (ca. 8 oder 9 Jahre) fragt ihren Papa ob ich Junge oder Mädchen sei und er antwortet ganz „She is a boy, but she will be a girl soon!“ Wir sind Gesprächsthema der ahnungslosen Gruppe, umso mehr bleiben die Münder offen als ich mich in perfektem Englisch von Ihnen verabschiede und einen schönen Abend wünsche... Die Gesichter habe ich richtig genossen

Danach geht es zwei Häuser weiter in die herrliche Weekend´s Bar, schön im art-déco-Stil eingerichtet, sehr gemütlich und elegant.

Der Abend klingt aus, wir sitzen in unserem Hotelzimmer, bewusst das es gerade erst angefangen hat, wir plaudern bis spät und schlafen glücklich ein.

Tag 2 Samstag 20.Mai

Ulli ist schon halb fertig als ich aufwache, kurz vor 9. Das heutige Programm wartet auf uns.

Nach Styling gehen wir auf die Champs Elysées, verdrücken ein teures Frühstück und machen uns aufgrund des starken Windes auf in Richtung Printemps, dem größten Pariser Kaufhaus auf.

Dort folgt der nächste Shoppingtrip, das Highlight ist der Stand von Thierry Mugler Parfums wo Ulli das neue Alien als Boxset in limitierter Auflage ersteht. Die dazugehörige Dame die Promotion für Mugler Parfums macht ist eine Augenweide.

Christina hingegen lässt sich in der Dessous Abteilung fallen, Chantal Thomas Nahtstrümpfe für das Hochzeitsfeier Outfit, Besuch bei „Agent Provocateur“, dem genialsten Laden im ganzen Kaufhaus, die Verkäuferinnen dort sind mehr als sexy und super freundlich. Der Shop hat einfach Stil, oder was sagt man zu einer Reitgerte für SM Spielchen mit brilliantenbesetztem Griff?

Wir gehen noch mal zum Mugler stand zurück und kommen mit dem Personal ins Gespräch. Auf die Frage wo hier denn der Stand von Mugler Damenmoden ist erhalten wir die Antwort das Thierry Mugler keine Damenmodekollektion mehr führt, dafür bekommen wir eine Karte mit einer Adresse zu einem Geschäft welches die gesamten Restbestände der Mugler Damenkollektionen aufgekauft hat… später mehr

Nach einer Stärkung in einem schönen Bistrot lassen wir uns ins 17. Arrondissement in die Rue Legendre fahren. Und es ist ein Traum der wahr wird. Ein Laden mit einer echten Lady als Chefin, voll bis obenhin mit Edelfashion. Wir werden dort herzlich von Sonia empfangen und tun das was jeder Transvestit am liebsten tut: Klamotten anprobieren, mit dem feinen Unterschied das dort alles von Mugler ist, bis unter die Decke meterlang und hinter jedem Vorhang noch mehr Kleider und Kostüme. Ein Top für ursprünglich 2500 Euro, ein Abendkleid ab 13.000 Euro, ein Preisschild an einer Robe habe ich mit 33.500 Euro gesehen, alles dort für 10% des Preises. Mit weiteren Kundinnen kommen wir auch schnell ins Gespräch, unser Geschmack (und unsere schonungslose Ehrlichkeit) werden wohl geschätzt. Es gehört wohl Mut dazu einer Dame zu sagen dass ihr 3000 Euro Blazer nicht zu ihrem Teint passt, umso erstaunter gibt sie uns Recht und freut sich.

Wir genießen die Komplimente und das ungezwungene Gespräch unter Damen. Ich werde fast bei einem Hosenanzug von Mugler schwach der mir wie angegossen passt, Ulli probiert einen Blazer nach dem anderen...
Es ist einfach ein Nachmittag unter Frauen, der letztendlich mit einem guten Kauf endet…

Danach flanieren wir noch ein wenig durch das 17. Arrondissement, ein bisschen Postkarten-Paris für die Sinne.

Wir fahren mit einem Honigkuchenpferdgrinsen wieder zu den Champs Elysées zurück, reservieren einen Tisch in einem edlen Restaurant in der Nähe des Hotels (La Catina, mediterrane Küche, Rue Washington)

Dort gehen wir um 20.30 essen, sehr schick und fein, 2 Ladies im Luxus, wir bekommen nicht genug davon, wir freunden uns mit der Kellnerin an die uns sogar stolz ihre mit airbrush verzierten Finger- und Fußnägel zeigt . Merke: um mit einer Frau ins Gespräch zu kommen ist die Frage „Wo haben Sie ihre Nägel machen lassen?“ immer ideal!

Danach eines der Highlights, unser Stammfahrer Farouk hat mir vor Monaten versprochen mit uns eine Paris by Night Tour zu machen. Er fährt mich wie gesagt immer wenn ich beruflich (=als Mann) in Paris weile.
Er kennt Paris wirklich wie seine Westentasche und so steigen wie um 22.15 in seinen Mercedes und er fährt uns durch alle mehr oder weniger touristischen Viertel von Paris, erklärt, erzählt Anekdoten, er weiß zu allem was, voller Humor und Ironie, es ist eine Lehrstunde über Paris die zu einer Philosophie Vorlesung und allgemeinem Sinnieren über das Leben wird, 3 Stunden lang, vom Universitätsviertel bis zum Transenstrich vom Bois de Boulogne, vom Eiffelturm bis zum Ritz Hotel, von der Place Vendôme zum Pont Alexandre III, von Pigalle bis zum Malerviertel von Montmarte und nebenbei erfahren wir aus erster Hand bei einer Fahrt durch den Tunnel de l´Alma was damals wirklich mit Lady Diana geschah, denn Farouk kennt die ganze Geschichte, er war damals hautnah dabei.

Farouk setzt uns im Kneipen- und Amüsierviertel des 4. Arrondissement ab, wir setzen uns in eine gemütliche Bar und brechen um 2 Uhr auf Richtung Rue de Rivoli um ein Taxi zu bekommen…

Nur… wir finden keines. Alle Taxi voll oder außer Sichtweite, die Strassen gesäumt von Menschen die den Daumen in die Luft halten, und wir ca. 10 km vom Hotel entfernt. Also stöckeln wir los, 2 Uhr nachts mitten durch Paris. Die Laune erhitzt sich durch gegenseitige bissige Bemerkungen während wir die Rue de Rivoli entlang laufen. Plötzlich laufen 3 angetrunkene Jugendliche neben uns her uns fangen mit dem Hänseln und Spaßen an, sie reden davon uns die Perücken zu klauen etc.

Wir werden beide sehr nervös und ich dränge Ulli schnell zum Abbiegen, wir schütteln sie ab, und laufen auf unseren Schuhen weiter

Wir haben bereits einen kilometerlangen Gewaltmarsch auf Absätzen hinter uns als plötzlich Ulli ein Taxi erblickt. Schweigsam aber erleichtert fahren wir nach Hause, der Tag war trotzdem toll, 99% einfach nur herrlich, es gehört wohl zum Frausein dazu. Oder geht es uns zu gut, so dass wir ein bisschen dafür abgekühlt werden müssen? Gedankenvoll schlafen wir ein, Ulli wird mir diesen Marsch noch lange vorwerfen dürfen...


Re: en femme nach Paris

Reply #3

Tag 3 Sonntag 21.Mai

Ulli ist wieder zuerst wach…
Erneut Frühstück auf den Champs Elysées, ein bisschen shoppen ebenfalls, schließlich haben Geschäfte wie Louis Vuitton oder Virgin Sonntags auf, danach mit dem Taxi zur Eglise Notre Dame. Mitten in die Touristen! Und als wäre das noch nicht genug setzen wir uns auf eine Bank auf dem Pont d´Arcole, mehr in die Öffentlichkeit geht nicht. 2 Ladies im Rock schick gestylt, unter den Besuchergruppen, den Touristen aus aller Welt. Alle denken das ist typisch Paris, dabei sind wir genauso Touristen wie die…

Herrliches Gefühl, wir wären am liebsten den ganzen Tag dort gesessen.

Nach gut 1 Stunde setzen wir uns noch in ein Café, bevor es mit dem Taxi ins Hotel zurück geht, denn auf uns wartet die Krönung der Reise.

Vorab sei gesagt, dass wenn es einen Gott gibt, er ein Herz für uns TG hat, aber zu gut darf es uns auch nicht gehen, also legt er uns Prüfungen auf. Ich glaube, ohne religiös sein zu wollen, dass es jemandem da oben missfällt, wenn hier unten ich zu sehr nach meiner Facon glücklich sein will, also stellt er mir den einen oder anderen Stolperstrick….

Wie lassen uns um 17.45 am Eiffelturm absetzen, gestylt und gedresst im feinsten Abend Outfit und Abend Makeup, denn auf uns wartet etwas was so kaum zu organisieren ist: ein Essen im Restaurant Altitude95 im ersten Stock des Eiffelturms. Monatelang vorher reserviert, aber erst 4 Tage vorher den Tisch tatsächlich bestätigt bekommen ist es eine der begehrtesten Adressen von Paris.

Gedacht als Überraschung für Ulli, die noch nie auf dem Eiffelturm war und als etwas was ich mir selbst gönne. Ich habe Ulli vor Neugier platzen lassen und monatelang nicht erzählt was ich vorhabe. Sie erfuhr es einen Tag vorher, schließlich muss Frau ja wissen was sie anziehen soll. Die Details habe ich bis zuletzt verschwiegen 

Nur, vor das Vergnügen kommt bekanntlich die Arbeit bzw das schwitzen, siehe Anmerkung oben:

Um dort rauf zu kommen muss man an einen speziellen Schalter. Dieser macht erst um 18.30 auf, also warten wir. Dann beginnt ein Wolkenbruch und wir sind an der Schalterhütte mitten auf dem Platz unter dem Eiffelturm gefangen. Wir beide absolut im feinsten Kleid, Ulli im Mugler Kostüm mit kurzem Rock ich in Vivien Caron mit langem geschlitzten Rock, auf Strass Pumps mit 9 cm Stilettoabatz, im Abendmakeup, um uns herum nur Leute in Jeans und Regenjacken…

Eine Reisegruppe (aus Amerika?) fängt als erste an uns blöd anzuschauen, aber wir ertragen es noch. Die Nervosität steigt als mehr und mehr Leute dumm schauen. Dann eine russischsprachige Reisegruppe, die schon amüsierter schaut. Wir drehen uns um und stehen Nase an Nase mit 20 arabisch aussehenden Herren die nun aufgeregt schnattern. Wir sitzen in der Falle, ich bekomme Angst und möchte fast heulen aber es kommt noch schlimmer. Die Zeit geht nicht um.

Eine Zigeunerin kommt zum betteln, ich lehne ab und sie rennt weg, kommt mit mehr Zigeunern wieder die sich vor uns aufbauen und „c´est des garcons! (= "Das sind Jungs!")“ skandieren und an meiner Kleidung zupfen. Ich bin den Tränen nahe und will nur nach Hause, ich habe das Handy in der Hand und tippe Farouk´s Nummer ein, die einzige die ich in Paris kenne, als Ulli um die Ecke schaut und sieht das der Schalter endlich geöffnet hat. Wir kaufen die Tickets zur Auffahrt, tippeln durch den Regen zum VIP Eingang, an der Warteschlange elegant vorbei, alles schaut leicht verächtlich und rauf in den Eiffelturm. Als ich oben ankomme sehe ich wie ich Farouk´s Telefonnummer immer noch auf dem Handy und das Handy in der Hand habe. 1 Sekunde später und ich hätte den Abend mit Sicherheit abgeblasen.

Das war wohl der Preis! Wofür? Für den schönsten Abend als Christina in meinem Leben!

Eines der edelsten Restaurants von Paris, ein herrliches Menü und ein Tisch direkt am Fenster mit Blick auf den Trocadero und la Defense im Hintergrund, der beste Tisch des ganzen Restaurants, wir ernten neidvolle Blicke. Wir speisen ein Menü wie die Königinnen und genauso sehen wir auch aus, wie aus einer höheren Sphäre, zu edel für diese Welt, Luxus aus jeder Pore, stolz und ungebeugt, wo wir eine Stunde zuvor noch lebendes Elend im Regen waren. So erleichtert war ich noch nie, alles ist verflogen, ich lebe wie selten zuvor.

Wir genießen ein edles 4 Gänge Menü von einem der besten Küchen von Paris, wir lassen uns zum eigentlichen Erlebnis hier zu sitzen auch den Gaumen verwöhnen.

Nach dem Essen setzen wir uns an die Bar des Altitude95, bevor wir eine Runde durch den Eiffelturm drehen und mit dem Aufzug wieder runter fahren. Dabei mische ich mich in ein Gespräch ein und erkläre eine Gruppe Amerikanerinnen noch ein wenig die Geschichte des Eiffelturms und warum er zu jeder vollen Stunde funkelt. Nach kurzem erstaunten Blick hören mir alle Menschen im Aufzug zu und ich genieße es Ihnen meinen Vortrag zu halten.

Unten angekommen werden wir von einer Gruppe Spanierinnen angesprochen um Fotos von ihnen zu machen, dann sie von uns. Sie denken wir sind aus Paris und ich heisse sie herzlich in dieser schönen Stadt willkommen!

Wir fahren in die Nähe des Hotels zurück und nehmen auf den Champs Elysées einen letzen Drink, auf dieser von uns so geliebten Allee wo es begann und wo es nun auch endet. An diesem Abend laufen wir ziemlich schweigsam zum Hotel zurück.

Wir packen unsere Koffer für morgen, um 9 kommt Farouk und bringt uns zum Flughafen.

Tag 4 Montag 22.Mai

Aufstehen, waschen, stylen, anziehen, ganz businesslike, fast schon Routine. Wir warten aufs Taxi, noch nie war Farouk zu spät, außer heute, aber er holt die 15 Minuten locker wieder rein.

Ein bisschen Wehmut hinsichtlich des Abschieds aus dieser Stadt die wir so liebgewonnen haben und in welcher wir uns so wohlgefühlt haben schwebt auf jeden Fall in der Luft.

Wir saugen noch mal Paris in uns auf auf der Fahrt zum Flughafen Roissy – Charles de Gaulle
Wir verabschieden uns lange von Farouk, und bewegen uns auf den Zollschalter zu. Die französische Zöllnerin schaut freundlich aber 5-6 Mal auf den Ausweis und ins Gesicht. Dann check in. Die sehr nette Dame dort reserviert für uns Plätze in einer der hinteren Reihen, 3 Tickets und vernichtet dann das ticket vom Mittelplatz, wir sind also relativ ungestört (dachten wir)

Die Sicherheitskontrolle wird nach einem Frühstück in Angriff genommen, keine Besonderheiten, wir warten auf den Flieger es klingt fast schon wie Gewöhnung aber es ist immer noch sehr viel Adrenalin dabei!

Eine Gruppe Geschäftsleute unterhält sich zu offen über uns, ich höre aus dem Schwyzerdütsch die Worte Papagei, schwanzlos, Strapse und in Zoo einsperren heraus. Ich ertrage es wie eine Lady. Auf meine Beine schauen sie trotzdem alle.

Bei der letzten Boarding Kontrolle schaut der Beamte ungläubig auf meinen Pass, ich lächle freundlich und sage auf Französisch „stimmt schon so, Monsieur“. Er lächelt ziemlich überrascht zurück.

Wir setzen uns in Flugzeug, es folgt ein turbulenter Flug, mit immer wiederkehrenden Blicken von einem jungen Mann eine Reihe vor uns, der arme Kerl ist wohl einiges nicht gewohnt…

Egal...

Wir lassen in Zürich alle anderen Leute zuerst aussteigen, das gibt noch mal blöde Blicke die ich mittlerweile entweder erwidere oder freundlich lächle. Das Blickkontaktduell mit Männern gewinne ich nun fast immer.

Wir stolzieren aus dem Flugzeug, grazienvoll wie noch nie, stolz auf uns selbst, es ist vollbracht. Wir gehen durch den Zoll als hätten wir nie was anderes gemacht, wir holen unser Gepäck, gehen zum Auto, fahren nach Hause, der deutsche Zöllner an der Grenze winkt uns durch, wir steigen zu Hause aus und in dem Moment als die Tür meiner Wohnung hinter mir zufällt umarmen wir uns und müssen laut lachen.

We did it!

Es ist getan, alle die Freude all die Ängste, nichts kann uns je mehr wieder weggenommen werden. Wir haben viel gelernt und wir wissen beide, wir waren nicht das letzte Mal in Paris, das ist nun unsere Stadt.

Wir stoßen auf diese Reise an, auf den Größten unserer Träume der nun real geworden ist.

Epilog

Alles ist möglich wenn man an sich glaubt und Freunde hat die dies auch tun, Freunde die diese Träume mit einem teilen, dann erobert man die Welt, auch gegen pöbelnde, kreischende, lachende, johlende und respektlose Menschen jeder Couleur.

Das Gefühl ist jeden Aufwand wert, jeden schmerzenden Fuss und auch jeden Euro den diese Reise gekostet hat.

Noch nie habe ich mich so sehr weiblich gefühlt, noch nie so frei noch nie so glücklich.

Und selbst jetzt ein paar Tage danach wo ich diese Zeilen tippe, kommt mir alles wie ein Rausch vor, wie ein Traum. Hat das alles wirklich stattgefunden? Ich sehe neben mir die kleine Tüte von Chanel mit darin dem Lippenstift den ich gekauft habe und sage mir: „Ulli, wann fahren wir wieder hin?“

Danke an meine beste Freundin Ulli, ohne die diese Idee wohl nie zu dem gereift wäre!


Re: en femme nach Paris

Reply #4
Hallo Cilii, ein wirklich toller Reisebericht. Beneidenswert und nachahmenswert.  großartig

Re: en femme nach Paris

Reply #5
Hallo Cilli,

ick kann mich Zö nur anschließen... Und möchte anmerken, daß ich ob des Berichtes den Wunsch habe, zukünftig noch mehr von Dir lesen zu dürfen... Hier scheint ein Talent zu schlummern!  ;)

Danke!

Herzlich,

Michelle+++

Re: en femme nach Paris

Reply #6
Jepp, wirklich schön geschrieben, wie von Mascha ja schon vorher angesprochen :-)

Liebe Cilii,

wenn ich micht recht entsinne, hast Du mal in einem anderen Forum einen wunderschönen Beitrag über
"die ersten hundert Meter" (oder so ähnlich) geschrieben, der inhaltlich zwar anscheinend bei Dir nicht
mehr so ganz zutrifft, aber wenn Du den noch irgendwo hast, wäre es nett, ihn hier auch nochmal zu
posten.

LG Katrin

Re: en femme nach Paris

Reply #7
@Zoe, dafür ist er da, damit andere sich auch trauen

@Michelle, ich habe zu danken

@Kathreen, soeben erledigt, siehe thread "aus meiner Anfangszeit"

Re: en femme nach Paris

Reply #8
Hi cilii,

vielen Dank für diesen wunderschönen Bericht.
Den Mutigen, solchen wie dir, gehört die Welt und sie werden mit unvergesslichen Erlebnissen belohnt.

Und wenn sie dann noch andere daran teilhaben lassen, ist es noch mal so schön.

Danke
Julchen

Re: en femme nach Paris

Reply #9
Nur damit sich keiner wundert, ich habe die beiden Themen mal zusammengefügt...  ;)

Ich kann mich Elle nur anschließen, Du hast eine wirklich angenehme Schreibe, da wünscht man sich mehr von... meinst Du nicht, es gäbe noch ein paar Themen, die Du für uns "verwursten" könntest  ;D

Re: Cilii: en femme nach Paris

Reply #10
Dankesehr Mascha

ich schreibe sehr viel und gerne, hauptsächlich in meinem männlichen Hobby für Fachzeitschriften und -bücher...

Wenn mir irgendwann mal wieder was einfällt, dann bringe ich dies gerne zu Papier... mal sehen, die nächste Parisreise ist bereits geplant...

Christina

Re: Cilii: en femme nach Paris

Reply #11
Hallo  Christina,

ich bin von Deinem Bericht zutiefst berührt, ich habe ihn gelesen, nein verschlungen  und habe dabei alles um mich herum vergessen, so gebannt von einem Text bin ich selten geworden. Dein Bericht sprüht geradezu von lebendiger, gelebter, stolzer, mutiger, kraftstrotzender, dynamischer, temperamentvoller, leidenschaftlicher und ungehemmt sprudelnder Weiblichkeit - mit Höhen und Tiefen, voller Emotionen.

Einfach klasse - ein transgender Fanal !!!

Christina, Du bist eine klasse Frau. Weiterhin viel Spaß dabei  ;)

Viele liebe Grüße

Maya

Re: Cilii: en femme nach Paris

Reply #12
Hallo Maya,

nachdem ich ja dabei war, freuen mich deine Zeilen sehr.

Selbst nach den vielen Jahren en femme, kann ich diese Reise als Höhepunkt meiner Weiblichkeit bestätigen. Es macht Lust auf mehr und wird mit Sicherheit wiederholt!

Liebe Grüße

Ulli

Re: Cilii: en femme nach Paris

Reply #13
:) :)
Hallo
Das ist ein traum mal als FRAU in Paris einen shoppingtrip
zumachen!
Mit einer Tüte von Chanel mitten durch Paris zulaufen :)
und einen Cafe zutrinken (ein traum)

Viele grüße
melanie

Re: Cilii: en femme nach Paris

Reply #14
Wunderschöner Bericht - da schließe ich mich den Vorposterinnen an ;-)

Vielleicht ist beim nächsten Mail ja schon eine größere Gruppe unterwegs... man könnte da ja eine Reise organisieren, "TransTours" oder so (hat hier wer zufällig ein Reisebüro? *gg*).

Ich geb ja zu dass dann ein Teil des Kicks weg wär, weil man eine Gruppe als "Deckung" hätte... aber für die weniger Mutigen wär das eine feine Sache, und es entdeckt bestimmt mal eine findige Geschäftsfrau diese Marktlücke... ;-)