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Topic: KerstinPlus (Read 8155 times) previous topic - next topic

Re: KerstinPlus

Reply #45
@Michi

Ich hatte hier an anderer Stelle ausführlich von meinen ersten Tagen berichtet. Bis jetzt bin ich immer noch ohne Dämpfer und sehr sehr guter Dinge dabei. Es haben sich auch keine praktischen Probleme wegen meiner Oberweite oder dem Haarteil eingestellt. Ich habe da insgesamt wirklich riesen Glück gehabt. Auch die Situation mit dem Virus ist mir an den ersten drei Tagen sehr entgegen gekommen, in der Form, das alles ruhiger läuft und meine Nerven dadurch weniger belastet wurden. Ich habe erfolgreich einige Situationen mit Handwerkern gemeistert und auch sehen können, das auch heftige Stressmomente durch mein neues Dasein nicht schlechter zu bewältigen waren. 
Und ob ich das Videoblogging wirklich so raus habe? Technisch bin ich zufrieden, aber wenn selbst ich selber physische Schmerzen bekomme, wenn ich mir das ansehe ... ::) :)) 

@Linde

Das man nicht hin und herwechseln soll, habe ich öfter schon gehört. Da war meine alte Situation kontraproduktiv. Privat war ich Frau und auf der Arbeit hätte ich mich geniert weiblich zu sprechen. Ich habe jetzt aber einen richtigen Rappel bekommen. Auf einmal geht es mir mit der Hormonwirkung nicht schnell genug und meine Stimme nehme ich als wirklich störend war. Es hat sich aber bereits nach den vier Wochen einiges mehr  an meiner Psyche und Selbstwahrnehmung verändert. Ich finde das sehr faszinierend.


Liebe Grüße,
dat Kerstin ;)



Re: KerstinPlus

Reply #46
Bei mir geht es nur ganz langsam voran. Ich bin mittlerweile über ein halbes Jahr da und es hat sich schon ein bisschen was getan. Aber mir fällt es schwer, vor anderen meine neue Stimme zu benutzen. Ganz schwer fällt es mir bei den Studenten. Ab Dienstag geht's bei uns an der Uni wieder los. 😟 Da hab ich Angst mit den Studenten mit meiner hohen Stimme zu sprechen. 😱 Und bei 90 Minuten Übung oder Praktikum geht mir schnell die Höhe aus. Da bin ich nach 40 bis 50 Minuten reden am Ende. Und dann rutscht die Stimme wieder runter in den alten Bereich. 😢 Zwar nur langsam aber am Ende bin ich faßt in meiner alten Männerstimme. Das hab ich in einigen Vorbereitungsvideos schon gehabt. Ich fühl mich da irgend wie doof, als wär ich zu blöd meine eigene Stimme zu benutzen. 😫😭
Meine Logopädin sagt mir immer wieder, dass ich trotz meiner Bundeswehrausbilderstimme eine schöne Frauenstimme bekommen kann. Und hin und wieder, so nach 35 Minuten Logopädie, klappt es dann auch. Nur dass ich es nicht so richtig schön finde.

Stimme ist für mich da ein Buch mit sieben Siegeln. 🙈

Re: KerstinPlus

Reply #47
Bettina, wichtig ist es bei solchen Marathon Veranstaltungen für die Stimme viel wasser in kleinen Schlucken zu trinken.  Das hält die Larynx feucht, und gibt immer wieder kleine Erholungspausen.  Auch muss man viel mehr Luft holen (luftiger sprechen), damit am Ende eines Satzes die Luft nicht ausgeht, und die Stimme nach unten absackt.  Wenn es geht, lasse die Studenten reden, damit deine Stimme eine längere Pause bekommt.  Wenn du einmal gefestigt mit deiner Stimme bist, kannst du ganz normale reden.  Ich kann Vorträge halten, die zwei Stunden lang sind, solange ich meine Larynx feucht halte.

Viel Glück für dich!

Linde

Re: KerstinPlus

Reply #48
Das größte Problem für mich ist, dass ich überhaupt mit meiner weiblichen Stimme spreche, da ich weiß, dass sie sich noch nicht natürlich anhört. Das ist für mich ein echtes Hindernis und ich schäme mich dafür immer. Wenn ich alleine oder unter Freunden bin, die die Situation kennen, da kann ich mich mit viel Willen dazu überwinden. Aber gegenüber Fremden fällt mir das extrem schwer. Und auf überraschende Situationen kann ich noch gar nicht reagieren. Am Anfang hatte ich das Problem, dass es zu luftig war. Das ist jetzt aber faßt ganz weg. Ich hab das grundlegende Problem, dass ich den Kehlkopf (Larynx) noch nicht dauerhaft oben halten kann. Dann spreche ich nicht immer in der Randschwingung und der Twäng fehlt auch noch. Und so kommt dann wieder viel Resonanz und dann passt das gar nicht mehr. Das schlimme ist, dass ich die Fehler kenne, sie aber nicht wirklich abstellen kann. Da fehlt die Übung und dass braucht Zeit.  :(

Das mit dem Wasser ist wichtig. Ich hab mir eine Trinkflasche geholt damit ich immer etwas griffbereit habe. Hat dazu geführt, dass ich mittlerweile meine 3 Liter am Tag trinke. Früher war das nur knapp über 1 Liter. Bei meiner Logopädin bekomme ich auch immer einen Tee und Wasser.

Re: KerstinPlus

Reply #49
Ich hatte keine Logopädin, sondern eine Stimm-Pathologin, also eine medizinische Fachkraft mit Doktor Ausbildung, und die hat mir eine Übung beigebracht, die mich dazu brachte die Larynx oben zu halten, indem die Muskeln darauf trainiert wurden.  Wenn ich schluckte, und dabei mein Kehlkopf ganz nach oben ging, hielt ich ihn mit meinen Muskeln in dieser Stellung für 5 bis 6 Sekunden.  diese Übung machte ich etwa 10 Mal hintereinander und für 8 bis 10 Mal am Tag.  Nach etwa einer Woche, hatte meine Larynx sich an diese Stellung gewöhnt, und nach einer weiteren Woche war das ihre neue Home Position. 
Damit entfernte ich schon einen großen Teil der Brustkorb Vibrationen, und damit auch den männlichen Unterton.  Danach lernte ich, die Erzeugung vieler Laute nach vorne in den Mund zu verlegen, als sie mit der Larynx zu kreieren.  Und so langsam wurde meine lauterzeugung immer mehr im weiblichen Frequenzspektrum angesiedelt.  Wenn ich heute zeigen will, wie tief meine Stimme war, kann ich das nur wenige Sätze lang machen, weil mir der Kehlkopf sonst schmerzt.
Wenn ich heute spreche, hoere ich mich  genauso an, wie halt eine etwas ältere Frau spricht, nicht mehr denn glocken klaren Ton einer jungen Frau (wie meine Tochter), sondern ein wenig tiefer und voller, aber auf jeden Fall sehr weiblich.

Allerdings bedeutet das viel Arbeit, dahin zu kommen.  Aber jeder kann das schaffen!

Linde

Re: KerstinPlus

Reply #50
Ich bin mal gespannt was der Endo (Logopäde :D) mir beibringen kann. Ich habe in der Vergangenheit intensiv nach Anleitungen  gesucht und Übungen gemacht. Da ging es mir wie beim Gitarre lernen: Ich brauche einfach einen menschlichen Lehrer, der auf mich eingeht und zur Not auch Fragen beantwortet.

Ich habe auch Erfolge gehabt, dachte ich. Auf Aufzeichnungen war da aber kaum ein Unterschied und wenn ich es so intensiv versuchte, das ich meinte es wäre wirklich merkbar, bekam ich schnell Halschmerzen und außerdem genierte ich mich heftig vor anderen. Das kenne ich auch! Jetzt, wo alles durch die Arbeit eine neue Wirklichkeit bekommen hat, mache ich keine Experimente mehr, sondern wende mich an Fachleute. Ich bin auch hartnäckig genug, es durchzuziehen. Ich habe mir schon einiges mehr erkämpfen müssen.

Liebe Grüße,
dat Kerstin 

Re: KerstinPlus

Reply #51
Ab Dienstag geht's bei uns an der Uni wieder los. 😟 Da hab ich Angst mit den Studenten mit meiner hohen Stimme zu sprechen. 😱 Und bei 90 Minuten Übung oder Praktikum geht mir schnell die Höhe aus.

So, Übung vorbei und ich könnte heulen. 😭
Ich hab mich warm gemacht, hab die Übung vorher durch gesprochen und als sie angefangen hat, war ich so gestresst, dass gar nichts mehr funktioniert hat. 🙈😭

Als ich es nach nur 10 Minuten merkte, hätte ich am liebsten aufgehört. Ich hab es recht kurz gemacht und war nach 60 Minuten fertig. Aber es war der Horror am Ende. 😖 Und als ich danach raus gegangen bin und bis 20 gezählt hab, klappte es sofort wieder.

Warum ist das bloß so schwer für mich? 😥 Bin ich zu blöd dafür? 🤷

 

Re: KerstinPlus

Reply #52
Warum ist das bloß so schwer für mich? 😥 Bin ich zu blöd dafür? 🤷

Ich nehme an, dass man das zu blöd  eventuell vergessen kann, da man dich ja doch als Lehrkraft akzeptiert hat. (auch wenn die Studenten manchmal denken, was ist die blöd, hat as andere Gründe).  Also muss es etwas Anderes sein, und es scheint psychologisch zu sein, denn du kannst ja so sprechen, halt nur nicht vor einer Menge Leute.  Als ich anfing medizinische Seminare zu lehren, viel mir zuerst auch da herz absolut in die Hose, wenn ich da dutzende leute vor mir sah, denen ich das Wissen vermitteln wollte.  Was mir dann geholfen hatte, war, dass ich meinen Stoff so gut beherrschte, dass mich selbst die blödeste Zwischenfrage nicht aus der Bahn werfen konnte (und es gibt Ärzte, die können nicht ertragen, dass da vorne ein Hansel steht, der behauptet mehr zu wissen als sie, also wird versucht, den Vortragenden aus der Bahn zu werfen).

Wenn man meine Erfahrung nimmt, scheint es mir fast, dass du dir noch nicht sicher genug in deiner neuen Stimmlage bist, und du daher noch mehr üben musst , um dir sicher zu sein.
In der Zwischenzeit kannst du ihnen  eventuell erzählen, dass du ein Problem mit der Larynx hast, und dich daher komisch anhörst.

Linde