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Topic: Eunuchen OP (Read 2221 times) previous topic - next topic

Eunuchen OP

Habe eben einen ganz interessanten Beitrag über sog. "Eunuchen" gelesen und entsetzt, aber nicht überrascht, feststellen müssen, dass nur eine Handvoll Chirurgen sich - und praktisch deshalb, weil sie sich davor ekeln - der Aufgabe widmen, diesen besagten Eunuchen zu einer besseren Deckungsgleichheit von Körper und Selbstwahrnehmung zu helfen: https://broadly.vice.com/de/article/j55xxp/endlich-eunuch-wenn-manner-sich-penis-und-hoden-amputieren-lassen
Ich habe schon öfter erlebt, dass Leute sich mit der Idee vom Transgender-Sein zwar anfreunden können, aber für non-binäre Ansätze keinerlei Gehör finden. Sprich; als was frau geboren wurde, und sich dementsprechend einordnen kann, ist Jacke wie Hose, aber nur unter der Prämisse, sich dann definitiv für "eine bestimmte Seite" entscheiden zu können. Es gibt ja mannigfaltige Formen der geschlechtsidentitären Zuordnung, deren Ausleben im Grunde jeweils niemanden kränken kann, trotzdem ist queerness so ein krasser Trigger für Leute. Echt traurig.

Re: Eunuchen OP

Reply #1
kenne ich auch zu gut, ganz klassisch die Verteufelung des Unbekannten. Dazu fällt mir auch ein, dass in einigen Ländern, die Homosexualität verbieten (meist gehen dort Glaubenslehre und Grundgesetz Hand in Hand), die Schwulen und Lesben zur Transition gezwungen werden, wenn ihnen die Todesstrafe droht, unter der die betreffende sexuelle Ausrichtung steht, da die Kirche an das Konzept des im-falschen-Körper-geboren-Seins glaubt: http://www.bbc.com/news/magazine-29832690


Re: Eunuchen OP

Reply #3
Ich habe schon öfter erlebt, dass Leute sich mit der Idee vom Transgender-Sein zwar anfreunden können, aber für non-binäre Ansätze keinerlei Gehör finden. Sprich; als was frau geboren wurde, und sich dementsprechend einordnen kann, ist Jacke wie Hose, aber nur unter der Prämisse, sich dann definitiv für "eine bestimmte Seite" entscheiden zu können. Es gibt ja mannigfaltige Formen der geschlechtsidentitären Zuordnung, deren Ausleben im Grunde jeweils niemanden kränken kann, trotzdem ist queerness so ein krasser Trigger für Leute. Echt traurig.

Um da Ordnung ins Chaos zu bekommen, kämpfe ich schon lange an verschiedenen Fronten. Nicht immer gelingt es über jemanden zum zuhören zu bewegen. Da ist die allgemeine Gesellschaft wirklich noch 1748......

Entsprechend öffentliche Organe, Ärzte, Beamte oder Familienmitglieder. Ganz schwieriges und sensibles Thema für Betroffene.
Und gerade letztere sind so sehr in den "Seins-Schmerz" angerutscht durch eben keine Anerkennung und Bestätigung von Aussen, das sie tragbare Hilfe garnicht mehr sehen und keine Motivation besitzen überhaupt noch ausser Klage aus sich heraus kommen.

Für mich als selbst betroffener Mensch ein Kuriosum ad absurtum, wie die Menschen mit sich umgehen und sich gegenseitig die Hölle auf die Erde holen.

Ja, binär sein wäre recht einfach....



Re: Eunuchen OP

Reply #4
Ich glaube nicht, daß "die Chirurgen" derartige OPs leichtfertig ablehnen. Eine derartige OP ist ein schwerer, unumkehrbarer Eingriff, und es besteht immer die Möglichkeit, daß der Patient - ich sage mal salopp - psychische Defekte hat. Nicht umsonst verlangen Krankenhäuser vor der gaOP mehrere Gutachten und Atteste, um sich vor Regreßforderungen zu schützen.
Außerdem haben auch Ärzte ein gewisses Ethos; man sollte es respektieren, wenn sie bestimmte Operationen nicht durchführen möchten.
Ich würde mir bei derartigen Themen unaufgeregtere Debatten wünschen. Ohne vorschnelle Schuldzuweisungen.

Grüße
Jana

Re: Eunuchen OP

Reply #5
Tja, irgendwann wird wohl auch Deutschland ICD11 einführen, dann ist zumindest Transsexualität keine Krankheit mehr (bzw. dann gibt es statt TS temporäre medizinische Probleme mit anderen Bezeichnungen). Während die internationale Forscher-Elite inzwischen einsieht, dass eine Angleichung des Körpers an seelisch empfundene Identität durchaus Leiden verringern kann, ist es meiner Meinung nach wesentlich komplizierter Konsens zu finden, dass sowas auch für absichtliche Verstümmelungen gelten soll. Es gibt halt in Natur keine Männer ohne Penis, außer bei Unfällen oder gewaltsam. Wie soll da die Argumentationskette lauten, dass die Variante ohne Penis die biologisch richtige ist? (Mal Esoterik mit Wiedergeburt und vorherigem Leben als Eunuch ausgenommen...)

Re: Eunuchen OP

Reply #6
Einerseits verstehe ich, das da ein Leidensdruck entstehen kann, ähnlich bei Transidentität. Vielleicht ist es auch vergleichbar mit BIID, wenn ich auch den Wunsch ohne Sexualorgane als sexuelle Störung sehe. Ich kann mir nur vorstellen, das sowohl BIID und der Wunsch ohne männliche Genitalien leben zu wollen, eine tiefgehende psychische oder emotionale Störung voraussetzt, während das bei Transidentität nicht so sein muß, sondern in den allermeisten Fällen (wahrscheinlich) physisch/organische Ursachen hat. Die Geschlechter sind auch viel dichter zusammen, als man lange dachte.
Esoterikanhänger haben ein ganz anderes Problem.

Bei dem Wunsch nach einer "Eunuchen OP" oder BIID muß der Grund für dieses Bedürfnis erforscht werden. Wenn es wirklich wirklich nicht anders möglich ist, das diese Menschen anders glücklich werden, dann darf man ihnen den Wunsch nach einer OP nicht verwehren, auch wenn ich ethisch meine Probleme damit habe.

Liebe Grüße,
dat Kerstin

Re: Eunuchen OP

Reply #7
Die Eunuchen-OP würde ich nicht mit BIID vermengen, sondern eher unter Transidentiät verbuchen.

Es gibt ja auch bei Transfrauen genügend Menschen, die keine komplette Angleichung im Genital wollen oder mehr noch, vertragen. Und da sind etliche Zwischenstufen etabliert wie Non-Op, Orchiektomie oder die "Fassaden-OP".
Wobei auch da etliche Chirurgen nicht mitspielen und Ärzte sich angesichts der puren Vorstellung bedroht fühlen können. Letzteres habe ich bei zwei Ärzten erlebt, als es um die Frage der Orchiektomie ging. Die Herren sich richtig aggressiv geworden und haben mich mehr oder weniger aus dem Behandlungszimmer geschmissen. Einer war mein behandelnder Psych.

Re: Eunuchen OP

Reply #8
Quote
Wobei auch da etliche Chirurgen nicht mitspielen und Ärzte sich angesichts der puren Vorstellung bedroht fühlen können. Letzteres habe ich bei zwei Ärzten erlebt, als es um die Frage der Orchiektomie ging. Die Herren sich richtig aggressiv geworden und haben mich mehr oder weniger aus dem Behandlungszimmer geschmissen.
Macht die Orchiektomie nicht generell Sinn? Wenn der Hoden weg ist, brauch ich das Androcur ja auch nicht mehr. Und es ist doch völlig egal ob eine Teilanpassung oder eine komplette OP gemacht wird. Das hat doch damit so überhaupt nichts zu tun. Die Hoden kommen doch in jedem Fall weg.
Und was ist schon so eine kleine OP gegenüber den Nebenwirkungen vom Androcur?

Re: Eunuchen OP

Reply #9
Du sagst es.
Irgendwann hab ich dann ja auch jemanden gefunden, der das gemacht hatte. Die OP hatte ich aus eigener tasche bezahlt.

Re: Eunuchen OP

Reply #10
Die Eunuchen-OP würde ich nicht mit BIID vermengen, sondern eher unter Transidentiät verbuchen.

Es gibt wohl mannigfache Beweggründe, weshalb sich Männer eine Kastration wünschen. Die Bandbreite wird reichen von sexuellen Motiven über psychische Krankheiten bis hin zu einer "Nichtidentifikation" mit dem männlichen Geschlecht.

Macht die Orchiektomie nicht generell Sinn? Wenn der Hoden weg ist, brauch ich das Androcur ja auch nicht mehr.

Man braucht auch mit Hoden kein Androcur.


Grüße
Jana

Re: Eunuchen OP

Reply #11
Als ich eine Orchiektomie haben wollte, haben mich zuerst auch einige Urologen (die machen das hier), die scheinbar ausschließlich Männer sind, fast erschlagen.  Für den durchschnittlichen Mann scheint es unvorstellbar zu sein, dass Jemand die Kronjuwelen entfernt haben möchte!
Ich fand absolut keinen Urologen, der das machen wollte.  Na ja, warum hat man denn Medizinwesen studiert?  Meine Hoden fingen über den Zeitraum einiger Wochen an, schrecklich zu schmerzen, es wurde auf eine Entzündung getippt, aber Antibiotika machte Alles nur noch schlimmer.  Schließlich bestand Krebsverdacht, und da ich eh sehr  wenig Testosteron hatte, wurde entschlossen, die Teile zu entfernen, und die Krankenkasse zahlte sogar dafür.  Glücklicherweise war kein Krebs zu finden!

Urologen haben auf jeden Fall eine Torhüter Mentalität!


Linde

Re: Eunuchen OP

Reply #12
Hallo,

im Roman Zirkuskind von John Irving wird beschrieben, daß bei den Hijras in Indien so ein "Eingriff" vorgenommen wird.

Brigitte

 

Re: Eunuchen OP

Reply #13
... bei den Hijras in Indien so ein "Eingriff" vorgenommen wird.

Küchenmesser, Rasierklingen, ...
Die Todesrate soll ziemlich hoch sein. Vermutlich in etwa vergleichbar mit der von Abtreibungen durch Engelmacher.


liebe grüße
triona