Skip to main content
Topic: Bibliothek der verbrannten Bücher (Read 31 times) previous topic - next topic

Bibliothek der verbrannten Bücher

Möglicherweise ist ja auch da einiges den braunen Bücherverbrennungen zum Opfer gefallen. Was weg ist, ist weg.

Dann könnte sich eine Recherche hierlohnen.
Daphne hatte vor 3 Jahren auf eine ganz besondere Sammlung in Augsburg hingewiesen, nämlich die "Bibliothek der verbrannten Bücher". Das ist sehr spannend, denn der Bücherverbennung der Nazis sind auch einige transgeschichtlich interessante Werke zum Opfer gefallen.

  • Dazu zählte z.B. das gesamte Werk von Magnus Hirschfeld, und auch der Bestand seines Instituts mit mehreren Tausend Bänden wurde (nach vorheriger) Sichtung vernichtet. Nicht umsonst sind Originale von damals heute sehr rar.
  • Es gibt einen Roman "Verkehrte Geschlechtsrichtung" von Hans Schmidt mit einer, sagen wir Crossdressing-Phantasie, was nur noch in wenigen Exemplaren existiert, ich hab mal ein Exemplar auftreiben können, da fehlen am Ende aber ein oder zwei Seiten.
  • Von Reinhold Gerling gibt es ein Heftchen zum "Dritten Geschlecht" von 1900, wo ich in einem Digitalisat den Vermerk über das Verbot fand.
  • Der Roman von Alexander Lernet-Holenia: Abenteuer eines jungen Herrn in Polen, 1931 erschienen.
  • Radszuweit: Das dritte Geschlecht - dies war eine Zeitschrift (die allerdings nur 4x erschien), die aber fast völlig verschollen ist. Rainer Herrn verdanken wir eine Neuausgabe im Männerschwarm-Verlag 2016 (ISBN 978-3863002176).
  • Es gibt ein belletristisches Werk zu (fetischorientiertem?) Crossdressing von Gitta, was fast völig verschollen ist. (Habe ich gestern irgendwo gelesen, finde das aber gerade nicht mehr.)

Und sicher gibt es noch mehr ...

Derzeit kann man den Gesamtbestand der Augsburger Sammlung online nicht recherchieren, ein Buch dazu soll aber lt. Website im März 2020 online zugänglich werden. Wenn es sich irgendwie ergibt, würde ich die Bibliothek gern mal besuchen.

Auf der letzten Buchmesse in Frankfurt hatte ich übrigens ein interessantes Gespräch zu einem spannenden, damit verwandten Projekt: https://verbrannte-orte.de/ - ich habe den Ansprechpartner auch auf einige der o.g. Titel hingewiesen.

Denn was auch auffällt: Während Werke von Anna Seghers, Franz Werfel oder Erich Kästner heute wieder allen bekannt und in etlichen Ausgaben verfügbar sind, gilt das längst nicht für Texte aus dem homosexuellen oder trans* Bereich - diese werden gern marginalisiert. Dabei gehör(t)en sie leider zu einem ganz wesentlichen Feindbild der Nazis. Auch heute sind homosexuelle, inter*, aber inzwischen auch ganz besonders trans* Menschen Zielscheibe für Angriffe aus der braunen bzw. blau übermalten Ecke.

 

Re: Bibliothek der verbrannten Bücher

Reply #1
Über den OPAC habe ich jetzt doch eine Möglichkeit gefunden, nach den Büchern der Salzmann-Sammlung in Augsburg zu suchen. Und: Kein Magnus Hirschfeld, kein Lothar Goldman, kein Hans Schmidt, kein Fritz Gitta.

q.e.d.

(Oder ich bin zu doof zum Suchen.)