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Topic: Recht auf korrekte Anrede (Read 593 times) previous topic - next topic

Re: Recht auf korrekte Anrede

Reply #15
Mein Arbeitgeber hatte ein offizielles Schreiben von meinem Begleittherapeuten verlangt, um in allen Bereichen der Arbeit außer dem Arbeitsvertrag den Namen auch schon vor der PÄ anzupassen.
Darin stand dann:
"Frau Martina xxxxx, vormals Herr Martina xxxxx, befindet sich seit dem xx.xx.xxxx in meiner durchgehenden fachambulanten Behandlung und Betreuung aufgrund einer spezifischen fachpsychatrischen Erkrankung, in der es auch unter Berücksichtigung der Vorgaben und Regularien des TSG in der Bundesrepublik Deutschland um die raschestmögliche Personenstandsänderung geht.
Sowohl innerbetriebllich, vor Ämtern und Behörden, ebenso in medizinischen Versorgungs- und Betreuungseinrichtungen wird aufgrund der nun realisierten Namen- und Personenstandsänderung die Anrede Frau Martina xxxxx als rechtlich allgemeingültige Form zu verwenden sein."

Die eigentliche PÄ hatte ich dann erst zehn Monate später.
Mir fällt allerdings heute erst die Formulierung "aufgrund der nun realisierten ..." auf, obwohl ich das Schreiben damals häufig vorgezeigt hatte, als der Ausweis noch nicht zum "unverkleideten" Erscheinungsbild passte...

Re: Recht auf korrekte Anrede

Reply #16
Hallo Linde,

Ich kann dir leider nicht helfen.  Aber Kollegen die sich weigern, dich entsprechend anzureden, weil du den Papier Wisch noch nicht hast, sind per se keine lieben Kollegen, sondern sie sind bereit, deine Gefühle zu verletzen!

Linde
Im Prinzip hast Du Recht. Aber die begreifen es einfach nicht, was das Ganze bedeutet. Ich wurde ja immer so angesprochen, warum sollte ich auf einmal verletzt sein? Da fehlt der Horizont.


Hallo Beate,

nein, die Namens/Personenstandsänderung habe ich nicht beantragt. Ich will mir das aktuelle Verfahren nicht antun. Wenn jetzt hoffentlich das neue Gesetz innerhalb von einem Jahr kommt, dann kann ich mir das auch aus zeitlichen Gründen sparen.

Alle drei haben gesagt, das sie es tun, wenn der neue Name im Ausweis steht. Meine Vorgesetzte hat mich vor meinem Urlaub tatsächlich im Beisein von externen Handwerkern zwei mal weiblich angesprochen. Das waren zusammen etwa 3 Sekunden, aber da ist ein guter Wille zu erkennen. Danach gab es mehrere Gelegenheiten, wo das nicht funktionierte. Nach einer formalen Änderung gib es da keine Ausreden mehr. Und das werde ich auskosten, indem ich demonstrativ ein Faß aufmache.

Einen Betriebsrat gibt es in keinem unserer Häuser. Alle, die sich dafür eingesetzt haben, arbeiten jetzt woanders ::)

Ich habe auch darüber nachgedacht, zu wechseln. Es war aber schon vorher ein Horror für mich, in eine neue Stelle zu kommen, mit meinen "Besonderheiten". Jetzt wird es nicht einfacher. Wer stellt eine unfertige Transfrau mit Schwerbehinderung und jahrzehntealte quasi unausgeübe Facharbeiterausbildung ein? Gut, ich kann 6 jährige Erfahrung als Haustechnikerin vorweisen und wenn ich arbeitslos werde, wird das A Amt mich erstmal durch den GdB mit Samthandschuhen anpacken. Ich werde auch meine Bewerbungsunterlagen auf den aktuellen Stand bringen mit GdB und Trans. Ich werde mich umhören. Aber eigentlich gibt es mehrere gute Gründe, warum ich da eigentlich bleiben möchte. Ich denke mal, es macht auch Sinn, das ich wenigstens die PÄ abwarte.

Hallo Martina,

das ist sehr interessant. Ich habe davon noch nicht gehört. Ich vermute aber mal, das der Therapeut das nur machen konnte, weil Du das Verfahren schon angetreten hast!? Ich habe kommende Woche meinen nächsten Termin und werde das ansprechen.


Danke Euch vielmals!!!!
dat Kerstin ;)

Re: Recht auf korrekte Anrede

Reply #17
Mein Psychater stellte das Dokument mit dem Titel "Ärztliches Attest" im Okbtober 2013 aus, da ich ab dem 1. November auch in der Firma nur noch unverkleidet auftrat. Die PÄ/NÄ habe ich erst ein paar Monate spöter beantragt, der Beschluß kam dann Anfang August 2014.

Re: Recht auf korrekte Anrede

Reply #18
. Wer stellt eine unfertige Transfrau mit Schwerbehinderung und jahrzehntealte quasi unausgeübe Facharbeiterausbildung ein? Gut, ich kann 6 jährige Erfahrung als Haustechnikerin vorweisen
dat Kerstin ;)
Kerstin, du musst etwas mehr Selbstvertrauen aufbauen.  Es gibt keine fertigen und unfertigen Transfrauen,  Du bist die absolut einzige Person in der Welt, die weiss, wie weit du mit der Transition gehen willst oder kannst, niemand anderes kann oder darf eine Meinung darüber haben!  Und du brauchst auch nicht mit anderen darüber reden, ob du mit deiner Transition fertig bist, oder nicht!

Einige Transfrauen wollen nur ein Social Transitioning machen, ander wie ich, gehen bis zum Ende mit allen notwendigen Operationen, aber es gibt kein Regelwerk davon, was richtig oder falsch ist, was fertig oder nicht fertig ist.
Das liegt einzig und allein in deinem Ermessen.


Linde

Re: Recht auf korrekte Anrede

Reply #19
Hallo Linde,

das stimmt absolut, aber ich meinte eigentlich meine Außenwirkung und insbesondere die fehlende PÄ.

Danke Martina! Ich bin gespannt, was mein Doc dazu meint.


Liebe Grüße,
dat Kerstin

 

Re: Recht auf korrekte Anrede

Reply #20
Hallo Linde,

das stimmt absolut, aber ich meinte eigentlich meine Außenwirkung und insbesondere die fehlende PÄ.

Danke Martina! Ich bin gespannt, was mein Doc dazu meint.


Liebe Grüße,
dat Kerstin
Also, jemand muss schon böswillig sein, um in dir einen Mann zu sehen!  Du musst dir das endlich bewusst sein, dass du eine Frau bist, und auch wie eine Frau aussiehst!  Mit Papierkram oder ohne!

Linde

Re: Recht auf korrekte Anrede

Reply #21
Der DGTI-Ausweis kann schon helfen, ist aber nicht rechtlich bindend. Kostet 20€ und öffnet im Behördenbereich schon viele Türen.

Meine Freundin hat vor 4 Wochen über 45b PStG die Änderung beantragt. Letzte Woche war sie beim Standesamt Kiel und ist jetzt offiziell Frau Sophie. 😊

Re: Recht auf korrekte Anrede

Reply #22
Danke Dir, Linde. Das ist lieb!!!
Es macht aber einen Unterschied, wenn man mir persönlich begegnet und vor Allem, wenn man mich über Jahre vorher nur männlich kennt. 

Hallo Bettina,

das mit dem DGTI Ausweis wollte ich bereits ernsthaft in Angriff nehmen. Meine hohen Ansprüche an ein Bild im allgemeinen und auch für ein Ausweisbild haben mir selbst Steine in den Weg gelegt.

Mir sagen alle, und auch mein Psychologe, das es nach §45 nicht mehr funktioniert.
Ist Deine Freundin "nur" Transident?

Liebe Grüße,
dat Kerstin

Re: Recht auf korrekte Anrede

Reply #23
Wenn Du mit dem Attest ankommst, müssen die Behörden nach wie vor...

Re: Recht auf korrekte Anrede

Reply #24
Hi Kerstin

Mir sagen alle, und auch mein Psychologe, das es nach §45 nicht mehr funktioniert.
Ist Deine Freundin "nur" Transident?

Ja, ist sie. Und der Wechsel war von Mann zu Frau. Wie Beate schon sagte, wenn du hin gehst, müssen sie den Antrag bearbeiten. Aber es gibt auch welche, die sich auf das BGH-Urteil berufen und dann sagen: "Nö!" (z.B. Hamburg)
Am besten den Brief vom Arzt mit der Bestätigung, dass du eine Variante der Geschlechtsentwicklung hast nehmen und hin gehen. Gar nicht vorher groß fragen sondern gleich in die Vollen gehen.

Re: Recht auf korrekte Anrede

Reply #25
Ist schon klar - Begriffe aus dem Bereich Trans*Wasauchimmer dürfen in dem Zusammenhang nicht fallen. Da muss man cool bleiben und sich notfalls sogar eine eigene Legende ausdenken, um dummen, aber bohrenden Fragen begegnen zu können.

Re: Recht auf korrekte Anrede

Reply #26
Hallöchen,

heute hatte ich meinen Termin.
Mein  Doc sagt, das er auch gehört hat, das nach §45b es manchmal geklappt hat, aber auch, das es im Nachhinein sogar Rückabwicklungen gegeben hat. Ihm, als Psychologe, der sich u.A. auf die Begleitung von Transmenschen spezialisiert hat, würde man es auf keinen Fall abnehmen, das er eine Falsche Diagnose stellen würde, einem Hausarzt vielleicht. Die Kriterien sind inzwischen absolut klargestellt. Das hat er gesagt, als ob er dafür Ärger bekommen könnte. Er hat es strickt abgelehnt.

Ich habe ihm Martinas Post über ein ärztliches Attest gezeigt. Da meinte er, das er mir gerne soetwas ausstellen kann, aber es hat keinerlei rechtliche Relevanz. In ihrem Fall hatte ihr Arbeitgeber danach gefragt. Nach meiner eigenen Interpretation wollte der wahrscheinlich sichergehen, das die Sache "Ernst" ist. Da mein Arbeitgeber nicht danach gefragt hat und auch schon auf die Änderung im Personalausweis verwiesen hat, habe ich eingesehen, das es bei mir nichts bringt.

Tja, wieder etwas schlauer und etwas deprimierter ::)  :)

Liebe Grüße,
dat Kerstin

Re: Recht auf korrekte Anrede

Reply #27
Du wirst halt den Weg über das TSG gehen müssen. Ich glaube kaum, dass sich bald etwas am Gesetz ändert, jedenfalls nicht zu unseren Gunsten - dazu sind die Fronten zu sehr verhärtet.

Rechtlich wohl nach wie vor möglich, aber fast schon in Vergessehnheit geraten ist die Möglichkeit, einen geschlechtsneutralen zusätzlichen Vornamen eintragen zu lassen. Sowas wie Kim. Auch hier darfst Du von Deinem Therapeuten wohl keine große Hilfe erwarten. Und Überzeugungsarbeit bei den Behörden wegen Anwendung dieser uralten Regelung noch aus der Zeit vor dem TSG (!!!) dürfte wohl auch nötig sein. Dabei steht dieser Weg sogar Transvestiten offen.

Kim Schicklang hatte dies (gerüchteweise) gemacht, weil sie für sich die TSG-Prozedur abgelehnt hatte.

Re: Recht auf korrekte Anrede

Reply #28
Kim Schicklang hatte dies (gerüchteweise) gemacht, weil sie für sich die TSG-Prozedur abgelehnt hatte.

Ich persönlich fand die TSG-Prozedur gar nicht so schlimm.

Ok, Amtsgericht anschreiben, dann 2 Termine mit Gutachtern machen, mit denen dann 1-2 Stunden über meine Geschichte reden und dann auf den Termin beim Amtsgericht warten, der auch nur 10 Minuten gedauert hat.  Und dann habe ich direkt danach sogar den Beschluss in die Hand gedrückt bekommen. Wegen Corona hat es insgesamt 6 Monate gedauert, ohne wären es nur 4 gewesen.
Klar sind die Gespräche mit den Gutachtern schon etwas Nervenaufreibend gewesen, weil man ja nicht weiß, was die so denken. Aber bei mir ging das alles so glatt, dass ich es Momentan nicht anders machen wollte (zu mal es in Hamburg mit 45b eh nicht mehr klappt).

Re: Recht auf korrekte Anrede

Reply #29
Ich persönlich fand die TSG-Prozedur gar nicht so schlimm.
Kim hatte da durchaus eine politische Agenda. Bei den meisten gibt es mit den heutigen Resten des TSG keine ernsthaften Probleme mehr. Aber in Einzelfällen gerät eben doch mal wer an einen ungünstigen Gutachter. Und generell sind die Gutachten ein ziemlich teures Unterfangen, wenn man das mal mit Kosten für ähnliche Verwaltungsakte vergleicht. Jene Transgender schließlich, die überhaupt keine medizinischen Maßnahmen brauchen, müssen dann nur wegen des TSG-Verfahrens zum Psychodoc.

Kerstin, du bist ja eh schon in Behandlung. Vermutlich wird ein TSG-Verfahren bei dir dann auch recht unspektakulär? Für Niedrigverdiener gibt es doch Prozesskostenhilfe. Kollegen, die dich jetzt vorsätzlich in Frauenkleidung als Mann anreden, werden sich aber vermutlich auch nach einer Personenstandsänderung nicht leichter tun.

Liebe Grüße,
Michi